Hier wird genau hingeschaut – Opening Eyes in Kiel
Stell dir mal deinen Arbeitsplatz vor: Arbeiten in unmittelbarer Nähe zum Meer? Einen Tag mit fröhlichen und motivierten Kollegen arbeiten und selbst die zahlreichen, Schlange stehenden Kunden sind alle sportlich, fröhlich, begeisterungsfähig, direkt, ehrlich und können sich selbst über kleine Gesten und Geschenke freuen? Eine Werkstatt im Freien bei 26°C an einem leicht schattigen Plätzchen? Den Feierabend in kleinen, gemütlichen Restaurants oder am Strand verbringen? Klingt traumhaft oder?
So ähnlich gestalteten sich vier arbeitsreiche Tage in Schleswig-Holstein. Zuvor wurde zwei Tage ein großes Zelt aufgebaut, eingeräumt und dekoriert. Montag früh startete hier die Gesundheitsinitiative Healthy Athletes der Special Olympics.
Die nationalen Sportspiele für Menschen mit geistiger Behinderung – die Special Olympics – fanden in diesem Frühling (14. – 18. 05. 2018) in Kiel statt. Da diese Menschen eine erhöhte Prävalenz für bestimmte Erkrankungen haben, gehört neben den sportlichen Wettkämpfen und wettkampffreien Angeboten auch ein Gesundheitsprogramm dazu. Viele freiwillige Helfer organisierten, bereiteten vor, schleppten und dekorierten mit ganz viel Herz, sodass am Ende ein großes einladendes Zelt mit Aktionen rund um die die Füße, die Zähne, den Körper, die Beweglichkeit und das Selbstbewusstsein, sowie die Ohren und Augen entstand.
Unter der organisatorischen Leitung von Stefan Schwarz und Prof. Dr. Werner Eisenbarth arbeitete ein gemischtes Team bestehend aus den Helfern vom Lions Club, den Studenten des Studienganges Augenoptik / Optometrie (B.Sc.) der Hochschule München unter der Leitung von Prof. Dr. Werner Eisenbarth sowie den Meisterschülern der Akademie der Augenoptik in Knechtsteden unter der Leitung von Johanne Forkel und Augenärzten des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein unter Leitung von Chefarzt Prof. Dr. Johann Baptist Roider vier Tage Hand in Hand für das Opening Eyes-Programm – das Augenprogramm der Special Olympics. Jeder arbeitete nach bestem Wissen und Gewissen, um die vielen Athleten, die das Programm nutzen, zu versorgen. Insgesamt führten wir in den wenigen Tagen 722 vollständige Screenings im Bereich Visus, Farb- und Stereosehen, IOD sowie Screening des vorderen und wenn möglich des hinteren Augenabschnittes durch. Dank der großzügigen Unterstützung von u.a. Essilor und Safilo konnten wir 630 Athleten mit dringend benötigten neuen Fern- oder Lesebrillen – wahlweise mit farblosen oder selbsttönenden Gläser - mit Sonnenbrillen oder sogar mit Sportbrillen mit individueller Korrektion versorgen. Viele Athleten haben hohe Werte und/oder hohe Zylinder. Jeder von uns kann sich vorstellen, dass ein korrigierter Zylinder von 2 Dioptrien oder eine Myopie von 4 dpt sich gewaltig auf die tägliche Lebenssituation und auch auf die sportliche Leistung auswirken kann. Teilweise konnte der Visus durch die Korrektur enorm gesteigert werden. Bedauerlicherweise äußern sich diese Menschen selten, wenn ihre Sehleistung schlechter wird oder sie z.B. aufgrund der beginnenden Presbyopie schlechter in der Nähe sehen können. Im normalen Berufsalltag bleibt häufig zu wenig Zeit oder es fehlen die entsprechenden einfachen und sicher anzuwendenden Testverfahren (z.B. LEA-Charts, Skiaskop) bzw. es bestehen Berührungsängste mit Personen, die sich manchmal unerwartet verhalten.
Um Brücken zu bauen und Berührungsängste abzubauen, wurden alle Helfer vorbereitet, eingewiesen und z.B. auch über den Bereich barrierefreie Sprache informiert. Die Fachhelfer halfen ihrem Ausbildungsstand entsprechend und sind eine wichtige und notwenige Stütze des Programms.
Die Tage waren eine absolute Win-Win Situation. Die Athleten motivierten uns Helfer weiter zu machen, auch wenn es im Zelt gegen Mittag sehr warm wurde und der Andrang kein Ende zu nehmen schien. Der Spaß kam an den Tagen auch nicht zu kurz und so kam z.B. die verteilte Fan-Schminke manchmal direkt zum Einsatz. Es wurde nicht nur draußen beim Sport gekämpft, sondern manchmal auch um die nächste zu erreichende Visusstufe. Die Fachhelfer konnten ihr Fachwissen anwenden, vertiefen und sahen vielleicht auch das Ein oder Andere, was sie bisher nur von Bildern kannten, z.B. kleine und größere Strabismen oder einen Nystagmus. Es ergab sich eine wunderbare - auch für den täglichen Berufsalltag wünschenswerte – Zusammenarbeit zwischen Augenoptikern, Augenärzten, Sozialpädagogen und engagierten Helfern zum Wohle eines jeden einzelnen Athleten.
Stellvertretend für alle Beteiligten möchte ich mich hier noch einmal bei allen Helfern für eine erlebnisreiche, erfolgreiche und geniale Woche bedanken. Auch wir haben – im Sinne der Special Olympics - bewiesen: Gemeinsam sind wir stark.
- Johanne Forkel –